D E H M N S

Messstellenbetreiber: Warum sind sie so wichtig für die Energiewende?

Was macht ein Messstellenbetreiber?

Grundaufgaben

Ein Messstellenbetreiber ist im Wesentlichen verantwortlich für zwei Dinge, die eine große Rolle in der digitalen Energiewende spielen:

  • Installation, Wartung und Wechsel von Messeinrichtungen, die den Stromverbrauch (und die Einspeisung z.B. von PV-Anlagen) an einem Netzanschluss dokumentieren. Dazu gehört insbesondere auch die Sicherung der Eichrechtskonformität und bei Bedarf der Austausch alter, analoger Zähler durch moderne Messeinrichtungen (mME) oder intelligente Messsysteme (iMSys / Smart Meter).
    Messeinrichtungen müssen spätestens nach Ablauf der Eichdauer ausgetauscht werden. Wenn die Nutzung des betreffenden Anschlusses den Einbau einer modernen Messeinrichtung (mME) oder eines intelligenten Messsystems (iMsys) bzw. Smart Meter erforderlich macht, muss dieser unabhängig von der Eichdauer erfolgen.
  • Erfassung, Verarbeitung und Übermittlung der Messwerte.Dies umfasst die eichrechtskonforme Messung und Aufzeichnung der Stromverbräuche sowie die Weitergabe der Messwerte an berechtigte Marktteilnehmer. Dies sind vor allem der Anschlussnetzbetreiber (ANB), der Energieversorger bzw. Stromlieferant und ggf. weitere Dienstleister.
    Der Messstellenbetreiber ist verpflichtet, die erhobenen Messwerte vor unbefugtem Zugriff zu schützen (Datensicherheit). Außerdem muss er die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) einhalten. Dies beinhaltet zum Beispiel das Prinzip der Datensparsamkeit, nach dem nur Daten erhoben und übermittelt werden dürfen, die für den jeweiligen Zweck erforderlich sind.

Rechtliche Grundlage

Die wesentliche Rechtsnorm für Messstellenbetreiber ist das Messstellenbetriebsgesetz (MsbG). Es schafft den gesetzlichen Rahmen für Einbau, Betrieb und Preisregulierung im Messwesen. Dazu gehören auch Vorgaben zu Datenschutz und Datensicherheit sowie zur Einbaupflicht von mME und iMSys.
Ergänzende spezifische Regelungen finden sich im Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Hier schafft § 14a EnWG die Gesetzesgrundlage für den netzseitigen Zugriff durch die Verteilnetzbetreiber (VNB).

Was bedeutet §14a EnWG für Nutzer:innen konkret?

Verteilnetzbetreiber dürfen bei sogenannten steuerbaren Verbrauchseinrichtungen – also z. B. deinem E-Auto, deiner Wärmepumpe, Klimaanlage oder deinem Stromspeicher – über das Smart Meter Gateway (SMGW) und eine Steuerbox in bestimmten Situationen den Strombezug vorübergehend drosseln. So sollen Netzengpässe vermieden und die Integration erneuerbarer Energien erleichtert werden.

Wichtig: Stand Oktober 2025 ist in Deutschland trotz dieser Rechtsgrundlage noch kein Fall dokumentiert, in dem eine solche Drosselung tatsächlich durchgeführt wurde.

Welche Arten von Messstellenbetreibern gibt es?

In Deutschland gibt es zwei – eigentlich sogar drei – Arten von Messstellenbetreibern: den grundzuständigen Messstellenbetreiber (gMSB), den wettbewerblichen Messstellenbetreiber (wMSB) und den Auffangmessstellenbetreiber. Die Unterschiede sind wichtig, wenn du beurteilen willst, wer für deinen Zähler zuständig ist und wann sich ein Wechsel lohnt.

Grundzuständiger Messstellenbetreiber (gMSB)

Der grundzuständige Messstellenbetreiber (gMSB) ist derjenige Messstellenbetreiber, der die automatische Zuständigkeit für alle Haushalte bzw. Messpunkte in einem bestimmten Netzabschnitt hat. Häufig ist dieser Abschnitt identisch mit dem Netzgebiet des lokal zuständigen Verteilnetzbetreibers (VNB), also der Partei, die für die Verwaltung des Stromnetzes in dieser Region zuständig ist. Beim gMSB handelt es sich üblicherweise um eine rechtlich eigenständige Tochtergesellschaft des VNB. Das Netzgebiet eines VNB kann aber auch unter mehreren gMSB aufgeteilt sein.

Wettbewerblicher Messstellenbetreiber (wMSB)

Wettbewerbliche Messstellenbetreiber (wMSB) sind – im Gegensatz zu VNB und gMSB – meist privatwirtschaftliche Unternehmen mit einer Lizenz zum Messstellenbetrieb. Anschlussnehmer:innen können den Messstellenbetrieb und die Messung gemäß § 5 MsbG an einen wMSB ihrer Wahl übertragen. Häufig bieten wMSB nicht nur den reinen Rollout von Smart Metern, sondern ein Komplettpaket aus Messstellenbetrieb, Energie­management und Stromtarif.

Die wMSB übernehmen neben dem reinen Messstellenbetrieb weitere Marktrollen und bieten damit zusätzliche Services an wie:

  • schneller Einbau von intelligenten Messsystemen (iMSys / Smart Meter) oder modernen Messeinrichtungen (mME)
  • Bereitstellung eines Home Energy Management Systeme (HEMS) zur Visualisierung und Optimierung des Eigenverbrauchs
  • zusätzliche Services rund um PV-Anlagen und steuerbare Verbrauchseinrichtungen (StVE) wie Wärmepumpen oder Wallboxen
  • Stromlieferungen mit dynamischen Tarifen, die sich an den Spotmarktpreisen orientieren
  • Unterstützung beim Antrag auf dynamische Netzentgelte gemäß § 14a EnWG
Gut zu wissen!

SpotmyEnergy ist ein wMSB, der ein solches Komplettpaket anbietet:

Auffangmessstellenbetreiber

Auffangmessstellenbetreiber springen ein, wenn der gMSB oder der beauftragte wMSB ausfallen. Dies ist nach § 11 Abs. 3 MsbG der gMSB, der bereits die meisten iMSys im betreffenden Bundesland installiert hat.

Auswahl und Wechsel des Messstellenbetreibers

Stromkund:innen haben laut MsbG das Recht auf freien Wechsel des Messstellenbetreibers – von ihrem gMSB zu einem wMSB. In der Praxis wendet man sich dazu an den gewünschten wMSB, der nach Vertragsschluss den bisherigen Messstellenbetreiber über den Wechsel informiert. In der Regel erfolgt daraufhin der Austausch oder die Umrüstung des Zählers und – falls noch nicht vorhanden – der Einbau der SMGW.

Kosten und Preisobergrenzen

Die §§ 30 bis 32 MsbG bestimmen Preisobergrenzen für die Entgelte des Messstellenbetriebs für alle Anschlüsse mit einem Verbrauch von bis zu 100.000 Kilowattstunden pro Jahr. Weder gMSB noch wMSBs dürfen diese Vorgaben überschreiten. Während die Preisobergrenze für eine moderne Messeinrichtung bei 20 Euro pro Jahr fixiert ist, hängt der Wert bei Smart Metern vom Jahresverbrauch des Anschlusses ab. Die Spanne reicht von 20 EUR bis zu 120 EUR pro Jahr. Der Einbau eines iMSys darf in Pflichtfällen nicht mehr als 100 EUR kosten. Wie sich diese Pflichtfälle ergeben, haben wir separat in diesem Blogartikel aufbereitet.

Die Verbraucherzentrale aktualisiert den Überblick über die Preisobergrenzen laufend.

Welche technischen Komponenten gibt es im Messstellenbetrieb?

Die Wahl der Messstellentechnik spielt eine zentrale Rolle in der Energiewende. Klassische analoge Stromzähler haben langfristig ausgedient: Spätestens mit Ablauf der Eichfrist werden sie durch moderne Messeinrichtungen oder intelligente Messsysteme (iMSys / Smart Meter) ersetzt. Doch worin unterscheiden sich analoge, digitale Zähler, mME und Smart Meter eigentlich – und was bedeutet das für einzelne Haushalte?

Analoge vs. digitale Messeinrichtungen

Analoger Stromzähler, der beim Smart-Meter-Rollout ausgetauscht werden muss.

Analoge Messeinrichtungen – meist klassische Ferraris-Zähler mit Drehscheibe – erfassen ausschließlich den kumulierten Stromverbrauch in Kilowattstunden (kWh). Das heißt: Bei jeder Messung kann nur abgelesen werden, wie viel Strom seit der letzten Messung verbraucht wurde. In welchen Zeiträumen dazwischen wie viel Strom verbraucht wurde, ist diesen Geräten nicht zu entnehmen. Zudem müssen sie manuell abgelesen werden, daher sind die Ableseintervalle sehr lang, in der Regel etwa ein Jahr.

Digitale Messeinrichtungen hingegen sind elektronisch, verfügen über ein Display und speichern wesentlich detailliertere Messinformationen. Damit ermöglichen digitale Zähler eine genauere Verbrauchsanalyse, eine bessere Einbindung in intelligente Energienetze und – je nachdem – auch viertelstundengenaue Abrechnungsintervalle.

Bereits seit 2010 werden keine analogen Messeinrichtungen mehr neu verbaut. Seit 2016 wird auch sukzessive der Bestand ausgetauscht.

Moderne Messeinrichtung vs. intelligentes Messsystem

Bei digitalen Messgeräten gilt es noch einmal zu unterscheiden zwischen Modernen Messeinrichtungen (mME) und intelligenten Messsystemen (iMSys).

Moderne Messeinrichtungen (mME) erfassen den tatsächlichen Verbrauch über einen längeren Zeitraum (oft 24 Monate). Zusätzlich stellen siedabei aber auch Nutzungszeiten und Verbrauchsprofile dar. Die Kommunikation ist jedoch häufig eingeschränkt; das heißt, die Daten müssen vor Ort ausgelesen werden, um sie später zu analysieren und für die Abrechnung aufzubereiten.
Intelligente Messsysteme (iMsys) verfügen zusätzlich zum digitalen Zähler über ein Smart Meter Gateway, das eine sichere bidirektionale Kommunikation zwischen Messeinrichtung und MSB (sowie Netzanschluss und VNB) erlaubt. Damit können Verbrauchsdaten praktisch in Echtzeit übermittelt werden, sodass eine viertelstundengenaue Datenerhebung möglich ist.
Graphik über die Anteile von iMSys und modernen Strommessstellen in Deutschland
Abbildung 1: Immer noch wird an fast der Hälfte der Netzanschlüsse der Verbrauch mit analogen Stromzählern gemessen. Lediglich 2,7 Prozent der Anschlüsse waren mit einem Smart Meter ausgestattet. (Stand 31. März 2025.) Quelle: https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Fachthemen/ElektrizitaetundGas/NetzzugangMesswesen/Mess-undZaehlwesen/iMSys/start.html,

Was macht ein Smart Meter Gateway (SMGW)?

Das Smart Meter Gateway (SMGW) ist die zentrale Kommunikationseinheit eines intelligenten Messsystems. Erst durch das SMGW wird ein digitaler Stromzähler zu einem vollwertigen Smart Meter:

Moderne Messeinrichtung (mME) + Smart Meter Gateway (SMGW) = intelligentes Messsystem (iMSys/ Smart Meter)

Das Gateway (Deutsch: Tor) stellt dabei eine sichere Datenverbindung zwischen dem Stromanschluss samt den dort angeschlossenen Geräten einerseits und Messstellen- und Netzbetreibern andererseits her. Das SMGW bildet also das Herzstück der Datensicherheit von intelligenten Messsystemen (sowie Steuerboxen).

Der Terminus SMGW ist kein Überbegriff, sondern bezeichnet eine bestimmte Hardware-Architektur in Kombination mit bestimmten Verschlüsselungsstandards. Aktuell (Stand Oktober 2025) ist das SMGW das einzige zugelassene System zur Datenübermittlung zwischen Netzanschlüssen sowie MSB und VNB. Dabei kommen ihm zwei zentrale Aufgaben zu:

Das Smart Meter Gateway erfüllt im Wesentlichen zwei Aufgaben.

  • Kommunikation mit MSB: In intelligenten Messsystemen übermittelt das SMGW die Verbrauchsdaten in Echtzeit an den MSB. SpotmyEnergy und weitere Anbieter haben beispielsweise angekündigt, über das SMGW und Standardprotokolle wie EEBUS Daten zu ermitteln, um viertelstundengenaue Abrechnungen zu ermöglichen, damit ihre Kund:innen von dynamischen Stromtarifen und Netzentgelte profitieren können.
  • Kommunikation mit VNB: Das SMGW ermöglicht auch die gemäß § 14a EnWG erforderliche Steuerbarkeit leistungsstarker Elektrogeräte wie Wallboxen und Wärmepumpen (StVE). Das SMGW stellt auch hier die sichere Verbindung her, über die der VNB:
    • Messwerte erhält, anhand derer er die Netzsituation analysieren kann,
    • im Bedarfsfall netzseitige Steuerungssignale an die StVE senden kann.

Zeitleiste des Messstellenbetriebs

JahrMeilenstein
2010Bei Neubauten und größeren Renovierungen ist nur der Einbau digitaler Messeinrichtungen zulässig.
2016Inkrafttreten des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG): Analoge Ferraris-Zähler dürfen überhaupt nicht mehr installiert werden. Ziel ist der flächendeckende Einsatz moderner Messeinrichtungen (mME) und intelligenter Messsysteme (iMSys).
2017Beginn des Rollouts intelligenter Messsysteme (iMSys) für Messstellen, die die technischen Voraussetzungen erfüllen.
2024iMSys/Smart Meter werden verpflichtend für Netzanschlüsse…

- mit einem Jahresverbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden (kWh)
- mit einer PV-Anlage ab 7 Kilowatt
- mit einer oder mehreren steuerbaren Verbrauchseinrichtung ab einer Leistung von je 4,2 kW oder mehr.

Welche Rolle spielen Messstellenbetreiber für die Energiewende und den Smart-Meter-Rollout?

Messstellenbetreiber sind Schlüsselakteure der Energiewende. Sie verantworten den Rollout von Smart Metern und Steuerboxen und schaffen damit die technische Grundlage für Lastmanagement, Integration erneuerbarer Energien und die Nutzung von dynamischen Stromtarifen und Netzentgelten

Warum sind Smart Meter wichtig für die Energiewende?

Smart Meter machen den Stromverbrauch sichtbar und steuerbar. Haushalte und Unternehmen können ihren Stromverbrauch damit effizienter gestalten. Vor allem aber ermöglichen Smart Meter die viertelstundengenaue Abrechnung des Verbrauchs und damit die Anwendung dynamischer Stromtarife und Netzentgelte.

Damit können Verbraucher:innen ihre Stromkosten aktiv senken, indem sie ihren Bedarf vornehmlich dann decken, wenn der Strom günstig ist. Dies ist vor allem dann lohnend, wenn man eine oder mehrere StVE betreibt, deren Stromverbrauch nicht nur hoch, sondern auch relativ flexibel ist. So kann eine Wärmepumpe das Haus bereits in der Nacht aufwärmen, wenn die Strompreise niedrig sind, weil der relative Anteil an Windstrom am Gesamtverbrauch hoch ist. Besonders bemerkbar ist dieser Effekt mit einem großen Warmwasserspeicher.

Die Verbraucher:innen entlasten damit das Stromnetz. Das ist ein wichtiger Schritt darin, unser Netz gemeinschaftlich auf den Ausbau erneuerbarer Energien vorzubereiten. Ein flächendeckender Smart-Meter-Rollout versetzt also den Markt in die Lagen, nachhaltiges Verhalten zu belohnen und dadurch die Energiewende voranzutreiben. Dies macht ihn auch in den Augen der EU zur Voraussetzung einer erfolgreichen Energiewende.

Welche Funktion haben Steuerboxen in der Energiewende?

Steuerboxen fungieren als Stabilisatoren für das Stromnetz. Sie sind das technische Mittel zur Integration steuerbarer Verbrauchseinrichtungen: Nach § 14a EnWG müssen bestimmte Verbrauchseinrichtungen (Wärmepumpen, Klimaanlagen, Wallboxen und Batteriespeicher ab 4,2 kW Leistungsaufnahme) durch den VNB steuerbar sein.

Für die Energiewende ist dies wichtig, da es mit der politisch angestrebten Verbreitung dieser Geräte – insbesondere von Wärmepumpen und Wallboxen – zu temporären Engpässen in lokalen Verteilnetzen kommen kann. In solchen Fällen obliegt es dem VNB, den Strombezug der StVE in dem betroffenen Netzabschnitt zu begrenzen, um Stromausfälle zu verhindern. Dies stellt die Elektrifizierung der Raumwärme, der Warmwasserbereitung und der Mobilität auf sichere Füße.

Herausforderungen beim Smart-Meter-Rollout

Der Ausbau intelligenter Messsysteme in Deutschland schreitet langsamer voran als gewünscht. Dies liegt zum einen daran, dass die zuständigen Behörden länger als geplant gebraucht haben, um gangbare technische Standards festzulegen.

Dabei korreliert der Rollout-Status eng mit der Größe der gMSB: In den Netzgebieten der 18 größten gMSB (mit mehr als 500.000 Anschlüssen) waren durchschnittlich bereits im ersten Quartal die für Ende 2025 angestrebte Quote von mindestens 20 Prozent der Pflichteinbaufälle erfüllt. Gleichzeitig hatten etwa die Hälfte aller gMSB noch überhaupt keinen Smart Meter installiert.

Einbauquoten intelligenter Messsysteme im Smart-Meter-Rollout nach Größe der Messstellenbetreiber
Die BNetzA erfasst für diese Rechnung die Daten aller gMSB und einiger wMSB.

Dies liegt unter anderem an der großen regulatorischen Komplexität: Die Kosten zur Integration neuer Arbeitsabläufe, Sicherheitsstandards und Technologien wiegen tendenziell schwerer, je kleiner ein Netzbetreiber, je dünner die Personaldecke und je geringer die Skaleneffekte der Innovation sind.

Wettbewerbliche Messstellenbetreiber können den Smart-Meter-Rollout vorantreiben. Durch stärkere Kundenorientierung, schlanke Prozesse und skalierbare Lösungen haben wMSB tendenziell einen operativen Wettbewerbsvorteil gegenüber gMSB.

Warum gibt es in Deutschland mehr Messstellenbetreiber als in anderen Ländern?

Die Vielzahl der Verteilnetzbetreiber – und damit der MSB – ist historisch gewachsen. Das hat dazu geführt, dass es heute schwierig ist, neue Standards flächendeckend einzuführen. Deshalb gilt die dezentrale Struktur des deutschen Verteilnetzmarktes gemeinhin als ein wichtiger Grund für den langsamen Smart-Meter-Rollout in Deutschland. Ein Blick ins Ausland stützt diese Vermutung nur zum Teil.

In Frankreich dominiert der VNB Enedis mit einem Marktanteil von rund 95 Prozent den Verteilnetz- und Messstellenbetrieb. Als zentraler Akteur ist das Unternehmen zudem mit dem iMSys-Einbau in den mehr als 100 kleinen Netzgebieten zuständig. In Italien füllt edistribuzione eine ähnliche Rolle aus. In beiden Ländern verfügen mehr als 90 Prozent der Anschlüsse über einen Smart Meter.

Die Schweiz dagegen verordnete ihren mehr als 600 Netzbetreibern im Jahr 2017 per Volksentscheid, dass 80 Prozent der Stromzähler bis Ende 2027 durch iMSys ersetzt sein müssen. Hier ist das Bild sehr heterogen: Ende April 2024 meldete der erste VNB den Abschluss des Smart-Meter-Rollouts in seinem Netzgebiet. Kurz zuvor hatte ein anderer erst den Beginn des Projekts angekündigt. Schweizweit dürfte die Smart-Meter-Quote zwischen einem und zwei Dritteln liegen.

Dass es trotz dezentralem Rollout auch schneller geht, zeigt Österreich, wo der iMSys-Einbau immerhin 114 verschiedenen VNB obliegt. Auf die Landesgröße bezogen ist das eine mit Deutschland vergleichbare Anzahl. Dennoch verfügten bereits Ende 2023 mehr als 85 Prozent der Anschlüsse über Smart Meter, inzwischen dürften es weit über 90 Prozent sein.

Dass in Deutschland auch wettbewerbliche MSB zugelassen sind, trägt immerhin dazu bei, den Rollout zu beschleunigen. Sie sind nicht nur in der Lage, schneller zu agieren. Anders als viele gMSB bewerben sie Smart Meter auch aktiv und bieten ihren Kunden unmittelbare Mehrwerte.

Fazit: Messstellenbetreiber sind Schlüsselakteure der Energiewende

Die flächendeckende Umstellung auf moderne Messeinrichtungen und intelligente Messsysteme (iMSys / Smart Meter) macht den Stromverbrauch transparenter und eröffnet neue Möglichkeiten für effizientere Nutzung, dynamische Strompreise und netzorientiertes Verhalten. Messstellenbetreiber nehmen dabei eine zentrale Rolle ein: Sie verantworten den Smart-Meter-Rollout, setzen gesetzliche Vorgaben aus MsbG und § 14a EnWG um und schaffen die Grundlage für ein digitales, flexibles Energiesystem.

Um allerdings die bescheidenen Ausbauziele – 20 Prozent bis 2028, 50 Prozent bis 2030 – zu erreichen, müssen die MSB die Schlagzahl deutlich erhöhen. „Um die Energiewende voranzutreiben, sollten auch Kunden, für die keine Einbaupflicht gilt, unkompliziert mit einem iMSys ausgestattet werden“, schrieben die Autoren der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FFE) in einem Fachartikel Ende 2024. Damit würden sie einen kritischen Beitrag zur Integration erneuerbarer Energien in das Energiesystem und zur Glättung der Energiepreise leisten.

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